Dienstag, 4. September 2012

Die Frau von Saltkrokan - jetzt auch fischfrei

Bis vor kurzem aß ich - nachdem ich seit Ende 2010 fleischfrei lebe - noch ab und an Fisch. Wieso? Ich weiß es nicht. Vielleicht weil mir Fische weniger leid tun, vielleicht, weil ich mir ein Hintertürchen offen lassen wollte, wenn ich Sushi essen gehe. Doch dann stieß ich auf Tims Fish Fight, eine Kampagne von Tim Mälzer, und habe begonnen, auch über Fische nachzudenken. Wieso spreche ich Fischen Rechte ab, die ich Schweinen, Rindern und Hühnern zugestehe? Und wieso soll Fischerei weniger eine "Schweinerei" sein als Massentierhaltung? Wieso habe ich bisher bei diesem Thema die Augen verschlossen - genauso wie es omnivor Lebende beim Thema Massentierhaltung tun? Mich haben Filme wie "Die Bucht" oder "Sharkwater" aufgewühlt, ich bewundere die Arbeit von "Sea Shepherd", aber wieso konnte ich bisher kein Mitleid mit dem Fisch auf meinem Teller entwickeln?

Im Gegensatz zu anderen Vegetariern und Veganern finde ich das Fleischessen an sich nicht abstoßend (obwohl ich selbst es wohl nicht mehr kann), sondern das, was heutzutage dahintersteht. In früheren Zeiten haben die Menschen noch in Einklang mit der Natur gelebt, haben sich nur so viel genommen wie sie brauchten, und haben Fleisch nicht in Massen "produziert" und die Meere leer gefischt. Die moderne Fischerei ist jedoch viel zu gierig und verschwenderisch. Man nimmt keine Rücksicht mehr auf natürliche Gleichgewichte. Ich finde es schlimm, dass es so viel Beifang gibt und manche Fischarten dem Aussterben nahe sind, weil sich die Menschheit in ihrer Gier nicht zurückhalten kann. Es ist schlichtweg falsch, was dort getrieben wird.
Tim Mälzer setzt sich als Koch natürlich nicht dafür ein, dass die Leute gar keinen Fisch mehr essen, aber dennoch finde ich die Kampagne super. Genauso wie ich Sarah Wieners Haltung toll finde, die ein Zurück zum Sonntagsbraten fordert. Man kann von den Leuten nicht verlangen, dass sie plötzlich Vegetarier oder Veganer werden, aber man kann zur Mäßigung und zu Respekt aufrufen. 
Bisher habe ich darauf geachtet, dass die Fische zertifiziert waren, keinen Thunfisch mehr gegessen, keine Garnelen. Aber nun ist auch das vorbei. Das ist wieder eine Entwicklung, wieder Fragen beantworten, wieder Absagen erteilen (zum Beispiel ans Muschelbüffet in der Dorfkneipe). 
Aber es fühlt sich besser an als die Kompromisse.

Kommentare:

  1. Ich habe damals auch noch eine Weile länger Fisch gegessen. Es half mir bei der Umstellung auf vegetarisch. Inzwischen möchte ich auch das nie wieder anfangen. Nicht nur, dass die Meere inzwischen bald leer gefischt und verseucht sind und Fische in den riesigen Netzen vom Gewicht der anderen totgequetscht werden oder ersticken. Neulich kam im TV ein Bericht, dass Fische nicht zwischen Plankton und Plastik unterscheiden können und deshalb durch Salzwasser zersetztes Plastik fressen. Im Fisch löst es sich weiter auf und lagert sich im Fisch ab. Und der Mensch isst das dann quasi mit. Bäh!

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  2. Ja, "bäh!" dachte ich mir auch, als ich mal darüber nachdachte, wie vielen Giftstoffen Fische ausgesetzt sind und wenn man sich vorstellt, dass man die dann mitisst ... Nein, danke. Fisch ist nämlich gar nicht mehr so gesund wie es immer heißt.

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