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Dienstag, 3. Dezember 2013

[Rezension] "Krampus" von Brom

(c) Frau von Saltkrokan

Für seinen zweiten auf Deutsch übersetzten Roman hat Autor Brom ganz tief in der Mythologie-Kiste gewühlt und etwas Passendes für die Vorweihnachtszeit zu Tage befördert: Krampus, den Herrn des Julfestes. Dieser war mir bisher vollkommen unbekannt, aber man ist ja neugierig und spätestens bei der Erwähnung des Julfestes hatte Brom mich.
Protagonist Jesse wird in die Ereignisse rund um den Konflikt zwischen Krampus und dem Nikolaus hineingezogen. Eines Abends trifft er auf die Belznickel, die Diener des Herrn der Julzeit, die vom Nikolaus und dessen Dienern verfolgt werden. Durch Zufall fällt Jesse der Sack des Loki in die Hände – der berühmte Sack des Nikolaus, der also heidnischen Ursprungs ist. Sowieso erhält man in diesem Buch einen Schnellkurs in nordischer Mythologie, in der Brom wie zuhause scheint.
Krampus ist eine geschundene Figur, die versucht, zu ihrem Recht zu kommen, und dennoch bleibt am Ende ein letzter Zweifel darüber, wer hier der „Gute“ und wer der „Böse“ ist: Krampus oder Nikolaus. Besonders die Mittel, zu denen Krampus greift, um das Julfest wieder zu etablieren, wirken sehr brutal und rücksichtslos. Er fühlt sich fremd in dieser Welt, die eben nicht mehr die seine ist und in der sich alles geändert zu haben scheint. Die Menschen kennen seinen Namen nicht mehr und schrecken vor seiner Gestalt zurück, nennen ihn sogar „Teufel“.
Wie Krampus ist auch der Musiker Jesse eine gescheiterte Figur: Beruflich recht erfolglos und abgewrackt hat er seine Frau an einen anderen Mann verloren und mit ihr seine Tochter Abigail. Da scheint der Geschenkesack wie gerufen, denn mit diesem kann Jesse endlich wieder bei seiner Ex-Frau punkten – wenn ihm nicht Krampus und dessen Rachefeldzug in den Weg kämen.

In „Krampus“ geht es aber nicht nur um den offensichtlichen Konflikt zwischen Krampus und dem Nikolaus, hier liegt ein tiefer gehender Streit zugrunde, nämlich der zwischen Natur und Kultur, der zwischen dem dionysischen und dem apollinischen Prinzip. Krampus symbolisiert die ungezügelte Leidenschaft, das Rohe, manchmal Gewalttätige. Wohingegen der Nikolaus als der Heilige aus den Legenden erscheint: Gezügelt, beherrscht, ehrwürdig. Darüber hinaus allerdings scheint Krampus ehrlicher und direkter zu sein, der Nikolaus spinnt Intrigen und schließt das, was ihm unbequem ist, weg. Am Ende bleibt eine wirkliche Wertung aus, aber man spürt die Sympathie des Autors für Krampus sehr deutlich. 
Diese Sympathie drückt sich auch in der Liebe zum Detail aus, denn in der Mitte des Buches finden sich mehrere Hochglanzseiten mit Farbzeichnungen der wichtigsten Charaktere. Obwohl diese sehr schön sind, hätte ich darauf verzichten können, da sie viel zu sehr ein Bild vom Charakter vorgeben und wenig eigenen Raum für Vorstellungen lassen.
Trotz der Brutalität und seiner rüden Vorgehensweise, bei der durchaus Köpfe rollen und Kinder geängstigt werden, war mir Krampus auch sympathisch – er trifft genau den Nerv unserer Zeit, nämlich die leise Kritik an der Art wie wir mit der Natur umgehen und sie für unsere Zwecke ausbeuten.


„Krampus“ ist ein schöner Schmöker für die Vorweihnachtszeit, hinter dem mehr steckt als man auf den ersten flüchtigen Blick vermutet. Allerdings ist das Buch auch nichts für schwache Nerven, da es hier durchaus sehr brutal zur Sache geht. Der zornige Krampus ist nun mal nicht zimperlich …

«Der Herr der Julzeit griff nach der Türklinke, doch dann erstarrte er und schnappte nach Luft. Jesse folgte seinem Blick zu den Stufen, doch da war nichts außer zwei Paar Schuhen. Er wollte schon fragen, was los sei, da schaute er noch einmal genauer hin. Die Paare waren wie in einem Geschäft sorgfältig drapiert, und in jedem Schuh steckten Süßigkeiten. Eine Karte war dazwischengeklemmt. […] Auf der Karte stand: FROHES JULFEST, KRAMPUS. WIR SIND SEHR BRAVE KINDER. ALLES LIEBE, MARY UND TODD.»
(Seite 412f)




Knaur. Hardcover, 495 Seiten. Mit Farbseiten. ISBN: 978-3-426-65334-0. 19,99 € (eBook 17,99 €).
Ich danke Knaur herzlich für das Rezensionsexemplar!

Dienstag, 24. September 2013

[Gedanken] Ich, das Heidenkind. Oder: Die Baumkronen sind meine Kathedralen.

(c) Frau nach Saltkrokan

An anderer Stelle habe ich ja vor kurzem schon angedeutet, dass sich mein Glaube nicht im christlichen Rahmen bewegt. Ich habe lange - auch schon vor meinem Kirchenaustritt - überlegt, ob ich überhaupt etwas zu meinem Glauben schreiben soll. Zunächst, weil es doch ein sehr intimes Thema ist und zudem, weil mein Glaube ein seltsames Ding ist, ein verstückeltes Sammelsurium, das in keine Schublade passt und dass man nicht mit einem schicken Ismus belegen kann.

Ich habe schon früh gemerkt, dass der christliche Glaube für mich nicht das ist, das mich erfüllt. Als Teenager habe ich mich deswegen auf die Suche nach einem Glauben für mich gemacht, denn so ganz ohne etwas, an das ich glauben kann, das ging dann auch nicht. Eine gewisse Zeit lang habe ich eine Heimat im Buddhismus gefunden und auch heute noch finde ich diese Religion (die ich eher als Lebensweise empfinde) in manchen Aspekten ansprechend; so glaube ich zum Beispiel an Wiedergeburt und ein wenig auch an Karma, wenn auch nicht so streng und konsequent.
Dann habe ich mit der Zeit immer mehr zu so einer Art Naturglauben gefunden, einer Art Pantheimus, nur ohne den "théos". Das war das, was mich immer stocken ließ, wenn ich behauptete, ich sei Pantheistin. Das Ding mit der Natur, das war etwas, was ich gut fand und das mich erfüllte, wenn ich es mir vorstellte, aber ich konnte immer noch nicht an einen Gott glauben. Daher ging ich dazu über, von "etwas Göttlichem" zu sprechen, an das ich glaube. An was genau ich glaubte, konnte ich beschreiben, aber eben nicht mit einem tollen, prägnanten Wort. Letztes Jahr fand ich dann Zugang zum Neuheidentum, mit dem ich viele Dinge teile, aber eben auch hier nicht der wirkliche Glaube an Götter/einen Gott/eine Göttin. Wobei ich an die Natur als Göttliches glaube und man dies wohl am ehesten mit dem Glauben an die Muttergöttin gleichsetzen kann. Das Leben mit der Natur und mit dem Jahreskreis mag ich besonders, eine tiefe Verbundenheit mit der Natur, die man verehrt und zelebriert. Wenn ich in der Natur unterwegs bin, und sei es "nur" in einem Park, spüre ich, dass es mir besser geht, dass ich zur Ruhe komme und in mich gehe. Deswegen brauche ich auch regelmäßig den Kontakt zur Natur, sonst würde ich auf Dauer eingehen wie ein Blümchen ... Die Spaziergänge in der Natur entsprechen wohl dem Kirchgang eines Christen und die Baumkronen sind dabei meine Kathedralen - nicht weniger beeindruckend und genauso erstaunlich. In der Natur steckt so vieles, das wir uns nicht erklären können, etwas, das jenseits von naturwissenschaftlicher Logik funktioniert - und genau das ist das "Göttliche", an das ich glaube.
Ich bete nicht zu diesem Göttlichen und spreche ihm keine Allmacht zu, aber insofern eine Macht, als dass ich auf sie angewiesen bin und sie mich durchdringt. Jedoch habe ich in den letzten zwei Monaten, als es mir gesundheitlich sehr schlecht ging, auch gebetet - zum vielleicht ersten Mal seit meiner Kindheit - und habe Trost in dem Gedanken gefunden, dass mir jemand zuhört und mir meine Gesundheit wieder gibt.

Künftig möchte ich diesen Glauben mehr leben, eventuell auch Gleichgesinnte suchen und mich weiter informieren. Mich schreckt nur manchmal das Schubladendenken, in das ich nicht so recht passen will, weil ich mit meinem Glauben vielleicht nicht so weit gehe wie manch andere. Aber für mich persönlich wünsche ich mir ein Leben mit diesem Glauben und das Leben im Jahreskreis und den Festen - fernab der christlichen Feiertage, die ich zwar sicherlich auch noch feiern werde, die aber schon lange keinen religiösen Wert mehr für mich haben.

Sonntag, 15. September 2013

Wochenrückblick 9.9.-15.9.

(c) Frau von Saltkrokan
Meinen neuen Hausarzt kennen gelernt. Gelacht. Eine Zeitung probeabonniert. Mit einer Freundin "von früher" gechattet. Ein Abo bei der BVG abgeschlossen. Berlinerin geworden. Bei der Stadtbücherei angemeldet. Mit Muttern telefoniert. Aus der Kirche ausgetreten (endlich, nach elf Jahren des Nachdenkens!). Bei Denn's eingekauft und die aktuelle "Schrot & Korn" mitgenommen. Kuchen gebacken und fast verhunzt. Einen Schal für M. angeschlagen. Heißhunger auf Pellkartoffeln gehabt. Einen Umschlag von Lovefilm aus dem Briefkasten gefischt. Spazieren gegangen und durchgeatmet. Fotografiert. Über Vegansein nachgedacht. Mit M. Kakao getrunken und Kuchen gegessen. Gelesen. U-Bahn gefahren. "Meine" Bücherei gefunden und enttäuscht festgestellt, dass sie bald für längere Zeit aufgrund von Baumaßnahmen schließt ... Kürbissuppe gekocht. Baguette in die Suppe gestippt. Den Rest Kürbissuppe eingefroren. Das Haushaltsbuch bestückt. Tee getrunken. "Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer" zu Ende gelesen. Einen faulen Sonntag gehabt.