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Freitag, 24. Januar 2014

Guten Tag, Wegwerfgesellschaft!

Neulich bei Rewe an der Brötchen-Frischetheke. Während ich überlege, welche Brötchen ich für unser Abendessen eintüten soll und die Zutatenlisten studiere, kommt eine Mutter mit ihrer Tochter (ca. 7) hinzu. Die Kleine quengelt ein bisschen, sie möchte ihr Brötchen gerne selbst mit der Zange herausnehmen. Die Mutter möchte ihr die Klappe hochhalten, aber das Mädchen besteht energisch darauf, es ganz alleine hinzubekommen. Prompt fällt das Brötchen auf den Boden. Die Mutter schimpft ein wenig ("Habe ich es dir nicht gesagt?"), hebt das Brötchen auf, wischt es ein bisschen "sauber", die Kleine meckert, die Mutter meckert zurück ("Ich muss dir auch gar kein Brötchen kaufen, weißt du?"). Das Mädchen fragt vorsichtig, ob sie denn das Brötchen dennoch kaufen, die Mutter keift "Nein, das nehmen wir jetzt nicht mehr!" und legt das Brötchen unten ins Regal, zu den geschnittenen Broten.

Zugegeben, ich hatte zwischenzeitlich ein wenig die Nerven verloren, als die Kleine vor mir umher turnte und auch ich hatte kommen sehen, dass sie das Brötchen würde fallen lassen, als sie ungeschickt mit der Zange und der Klappe zeitgleich hantierte. Aber was mich an dieser Szenerie entsetzte, war das Verhalten der Mutter. Überall an den Regalen steht deutlich geschrieben "Berühren der Ware verpflichtet zum Kauf". Der Boden im Supermarkt ist nicht schlammverschmiert, es lagen auch keine Staubwolken oder sonstiger Schmutz herum. Wieso also das Brötchen weglegen, das ganz sicher am Ende des Tages in den Müllcontainer wanderte? Weil eine Spur von Bakterien dran sein könnte? Es lag ja nicht mal zehn Sekunden auf dem Boden! 
Als ich nach Hause kam, erzählte ich M. davon und auch er war recht verständnislos. Zunächst vergaß ich die Anekdote wieder, aber ein Bild von Romy (Vegan Witch) bei Instagram von heute brachte mich wieder auf dieses Thema. Darauf sieht man mehrere Kisten und Tüten voller Lebensmittel, die im Müll gelandet waren. Teils sahen die Sachen aus als hätten sie gerade noch im Regal gestanden.

Ich finde es unendlich traurig, dass die Menschen Nahrung nicht mehr schätzen. Alles ist selbstverständlich geworden. Wenn etwas nicht mehr schön ist, werfen wir es weg. Wenn es auf den Boden gefallen ist, werfen wir es weg. Wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist, werfen wir die Dinge weg. Wenn wir zu viel gekauft haben, werfen wir es weg. 
Ganz besonders traurig finde ich dieses Verhalten natürlich bei tierischen Produkten. Vor zwei Wochen sahen M. und ich eine Dokumentation, in der u.a. Tim Mälzer der Herkunft von Fleisch auf den Grund geht. In einer Szene steht er an einer Fleischtheke im Supermarkt, die gut gefüllt ist, und fragt, was mit den Produkten passiert, wenn sie bis abends nicht verkauft sind. Die Antwort: "Das wird weggeworfen". Die erneute Frage, ob das denn so sein müsse, dieses Überangebot, wird beantwortet mit "Ja, das wird so erwartet". 
Wieso aber nur, frage ich mich. Wieso muss ich zwischen zehn nahezu identischen Produkten wählen können? Als ich vegetarisch wurde, fand ich es sehr nett, viele Produkte von vorneherein links liegen lassen  zu können. Nun da ich vegan bin, kann ich schätzungsweise Dreiviertel der Produkte in einem normalen Supermarkt außen vor lassen. Ich finde es nahezu befreiend, an den Fleisch-/Wurst- und Milchprodukteregalen vorbei gehen zu können. Und ich finde es richtig, dass ein Produkt auch mal teurer wird, wenn es gerade nicht so viel davon gibt (So vor kurzem geschehen bei Alnatura, die den Preis von Quinoa erhöht hatten, weil es zu Lieferschwierigkeiten aufgrund einer erhöhten Nachfrage kam und damit auch zu höheren Preisen). 

Nicht richtig finde ich es allerdings, seinem Kind vorzuleben, dass man mit Lebensmitteln rücksichtslos umgehen und dass man sie einfach so wegwerfen kann, nur weil etwas nicht den eigenen Vorstellungen entspricht. Ich denke, jede/r von uns wirft auch mal etwas weg, früher war ich leider kein Stück besser (Wobei ich nie ein durch meine Schuld auf den Boden gefallenes Brötchen weggelegt hätte) - bis ich M. kennen lernte und der mir in den Hintern trat; durch ihn lernte ich, Sachen aufzubrauchen, wieder mehr in der Küche Reste zu verbrauchen und achtsamer einzukaufen. Wir werfen immer noch etwas weg (Leider oftmals Brot, das schimmelig geworden ist), aber es ist deutlich weniger geworden als das früher bei mir der Fall war.
Inzwischen finde ich auch die Ideen von Containern oder Food Sharing klasse. Man muss etwas dagegen tun, dass zu viele Lebensmittel weggeworfen werden. Dass die Supermärkte das tun, das wird sich nur langsam ändern, indem wir alle als Konsumenten achtsamer einkaufen und vor allem nicht mehr ständig alles rund um die Uhr zur Verfügung haben wollen. Aber in unseren eigenen Haushalten können wir schon jetzt anfangen, den Abfall zu reduzieren und ich habe mir vorgenommen, in Zukunft noch mehr darauf zu achten. 
Denn ich möchte meinem Kind später einen anderen Umgang mit Nahrungsmitteln vorleben als die Mutter bei Rewe.

Samstag, 4. Januar 2014

Dies ist ein Protestsong*

"Dies ist deine letzte Chance. Danach gibt es kein Zurück. Schluckst du die blaue Kapsel, ist alles aus, du wachst in deinem Bett auf und glaubst an das, was du glauben willst. Schluckst du die rote Kapsel, bleibst du im Wunderland und ich führe dich in die tiefsten Tiefen des Kaninchenbaus."
- Morpheus


Dies ist ein Auskotz-Post. Weil Menschen, die sich dafür entscheiden, vegan zu leben (Ich drücke es absichtlich so umständlich aus, weil ich mich noch lange nicht als "Veganerin" sehe), nicht immer überzeugt sind von dem, was sie machen. Oder besser gesagt: Weil diese Menschen auch mal genervt sind, weil sie es auch gerne mal leicht haben würden. Oder um es mit einer Anekdote zu erklären: J. erzählte, dass eine Kommilitonin sie fragte, ob sie aus "Modegründen" Veganerin sei. J. war ganz entsetzt und meinte zu uns: "Wer ist denn so verrückt und tut sich das aus 'Modegründen' an?!".

Es mag ja Veganer geben, die das alles total supi finden und so von sich und ihrem Standpunkt überzeugt sind, dass es sie so gar nicht kümmert, dass sie eigentlich Außerirdische sind, in dieser großen weiten karnistischen Welt. Ich denke, diese Spezies ist eine Seltenheit, wenn überhaupt vorhanden. Denn: Man eckt nun einmal an, wenn man nicht die Meinung vertritt, die in der Allgemeinheit vorherrscht. Aber es ist eine Illusion, dass Menschen, die anecken, überall und zu jeder Zeit gerne anecken. Wenn ihr mich fragt, ist das absoluter Quatsch. Die wundervolle Utopie einer veganen Welt ist natürlich unser aller Traum, aber bis es soweit ist, werden noch Jahrzehnte oder Jahrhunderte ins Land ziehen, vielleicht wird dieser Traum auch nie wahr werden. Und deswegen sehnen auch wir uns manchmal danach, dass alles "einfach" ist, dass wir kaufen und essen können was wir wollen, dass wir uns nicht ständig mit Gedanken an mutterlose Kälbchen, überzüchtete Puten mit absurd großen Brüsten, vergaste Hühnerküken oder bei lebendigem Leibe gebrühte Schweine quälen. Dass wir einfach auch mal die Augen verschließen können - so wie der Großteil der Menschheit. Dass wir mal wieder mit Genuss in Mutterns Gänsebraten reinhauen können. Dass wir nicht diejenigen sind, die komisch angeguckt werden und sich rechtfertigen müssen. Nicht diejenigen sind, die automatisch Diskussionen am Tisch auslösen, während wir doch nur da sitzen und gar nichts gesagt haben.
Aber wir haben die rote Pille geschluckt und wir können nicht mehr zurück und nun wollen wir einfach akzeptiert werden, wir mit unseren Prinzipien und unserer Einstellung, eben das ganze Paket. Für uns ist es nicht leicht, aber wir gehen den für uns richtigen Weg.
Wieso ist es so schwierig für viele Menschen, mit Vegetariern und Veganern umzugehen? Wieso überfordert es sie völlig, sich auf dieses Neue einzustellen und umzudenken? Wieso denken sie immer gleich, dass wir alle sie missionieren wollen? Wieso höre ich so oft Rechtfertigungen wie "Ich esse kaum noch Fleisch" (kommt gerne, wenn ich erzähle, dass ich Vegetarierin bin) oder auch Aussprüche wie "Mir wäre das zu extrem!" - eine sehr klassische Reaktion auf das Wort "vegan". Verdammt, wir wollen doch einfach nur nett irgendwo sitzen und essen!

Das alles soll nicht heißen, dass ich bemitleidet werden möchte, immerhin habe ich den Schritt zum Vegetarischen und nun auch zum Veganen hin vollkommen freiwillig getan, aber wieso werde ich nun als eine Aussätzige behandelt? Ein Mensch, der eine Nussallergie hat, wird akzeptiert. Ebenso jemand mit Laktoseintoleranz. Auch ein Jude oder ein Moslem, die kein Schweinefleisch essen, stellen für die meisten Menschen kein Problem dar. Aber allein weil ich eine bewusste Entscheidung getroffen und mein Leben geändert habe, werde ich mit anderen - erschrockenen, skeptischen, feindseligen - Blicken betrachtet. Das ist anstrengend und frustrierend und bewirkt am Ende auf beiden Seiten nur eins: Ein Ende der Kommunikation, ein Umschleichen des Themas, das unausgesprochen im Raum steht.





Samstag, 23. November 2013

[Gedanken] Von einer Veganerin im Herzen, die noch Lederschuhe trägt. Oder: Wie ich flexigan wurde.

(c) Frau von Saltkrokan
Ihr erinnert euch vielleicht an meinen Beitrag vor ein paar Wochen, in dem ich verkündete, dass ich meinen körperlichen Bedürfnissen und Gelüsten mehr nachgeben möchte, sprich: Wenn ich Lust auf Quark habe, dann esse ich Quark. Diesen Beitrag könnte ich genauso gut löschen oder zumindest wird er im Nachhinein ungültig.

In den vergangenen Wochen habe ich mich wieder einmal eingehender mit veganer Ernährung und Lebensweise auseinandergesetzt und spätestens als J. (die ja vegan ist) zu Besuch war und ich dadurch vegan gegessen habe, war es soweit: Ich machte mich auf den Weg zu einem veganen Leben. Als ich dann "Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen" von Melanie Joy in der U-Bahn weiterlas (Ich hatte es nach dem Kapitel über Schweine wieder für eine gewisse Zeit weglegen müssen, weil es mich sehr mitgenommen und daran erinnert hatte, dass ich nicht konsequent genug war), kam ich nach Hause, begrüßte M. und verkündete ihm, dass er nun mit einer Fast-Veganerin zusammenlebt. Am Abend sah ich mir dann zum ersten Mal "Earthlings" an, den viele Veganer als Mit-Grund dafür angeben, weshalb sie vegan wurden. Obwohl ich all das wusste, was dort gezeigt wurde, obwohl es nichts Neues war, verstörte der Film mich. In geballten Bildern, aneinandergereiht dieses Grauen zu sehen, hat mich verändert. Bisher hatte ich immer nur einzelne kurze Videoaufnahmen gesehen, aber nicht anderthalb Stunden lang. Und da wurde mir bewusst: So wie viele Menschen, die (noch) Fleisch essen, habe auch ich die Augen verschlossen, habe mir Dinge zwar nicht schön geredet, sie aber verdrängt. Ich habe mir eingeredet, dass ich nie im Leben auf Käse verzichten könne, habe dabei aber übersehen, dass es mir ohne ihn vielleicht sogar besser geht, aus Gewissensgründen ebenso wie physisch.

Aber wieso nur fast? Wieso nicht konsequent? Weil der Übergang zu vegan ein schleichenderer Prozess ist als der zu vegetarisch, denn aus meinem "alten Leben" habe ich noch Lederschuhe und Wollschals, Medikamente, das ein oder andere unvegane Kosmetikprodukt und diese Woche habe ich beim Inder auch noch Panir gegessen. Weil ich ein Mensch bin, der sich manchmal auch zu viele Gedanken macht und an diesen Gedanken zugrunde gehen kann, und weil ich einen hohen Perfektionismusanspruch an mich selbst habe, will ich mich nicht zu sehr unter Druck setzen. Und ganz ehrlich? Wenn ich jemanden finden würde, der Hühner so artgerecht es denn geht, hält, würde ich auch weiter Eier essen (Meine Cousine hält mit ihrem Freund zusammen beispielsweise ein paar Hühner auf einem Stückchen Land, wo diese frei herumlaufen können). Denn im Gegensatz zum Fleischessen stört mich an der Milch- und Eierwirtschaft wirklich nur die Haltung. Esse ich Fleisch, wird ein Tier dafür geschlachtet, ganz gleich, ob es vorher "glücklich" oder in Massentierhaltung gelebt hat, zuammen mit allen anderen Tieren. Und die Art und Weise, wie Tiere geschlachtet werden, ist nicht schön - jedem, den das interessiert, sei Melanie Joys Buch oder auch "Tiere essen" von Jonathan Safran Foer ans Herz gelegt.
Dann gibt es auch noch meine Freunde und Familie, die damit zurecht kommen müssen, dass ich nun noch mehr "anders" bin als vorher sowieso schon. M. steht bei meiner Entscheidung vollkommen hinter mir und auch meine Mutter meinte, dass das Wichtigste ist, dass ich mich wohl fühle und es mir gut geht. Doch selbst J. sagt manchmal, dass es als Vegetarierin so viel einfacher war, wenn es um Gesellschaft geht - aber gleichzeitig sagt sie, dass sie nicht mehr zurück kann. Bei mir ist das alles noch nicht so stark, aber ich spüre auch, dass ich mit dem Vegetarischsein alleine auch nicht mehr glücklich bin, es genügt mir nicht mehr. Darum möchte ich zunächst "flexigan" leben, schauen, was alles geht, wo ich an meine Grenzen stoße und ob ich vielleicht ganz automatisch nach und nach komplett vegan werde. "Flexigan" auch, weil ich mich nicht erdreisten würde, mich "vegan" zu nennen so lange ich noch Lederschuhe trage, es steht mir nicht zu, mich in die Reihe derer zu stellen, die wirklich konsequent sind. Das tun ohnehin schon viel zu viele ...
Und vielleicht werde ich doch eines Tages komplett vegan und lache über meine Zweifel, die ich jetzt noch an mir und meiner Konsequenzfähigkeit habe.

Montag, 18. November 2013

[Gedanken] "Cut out the crap" oder: Muss ich jetzt meine Beziehung beenden, PETA?

"Cut out the crap", ein beliebter Slogan der veganen Szene. Das "etari" aus "veg(etari)an" herausschneiden und die wohl aus PETAs Sicht einzige konsequente und tolerierbare Lebensweise annehmen: Die vegane. Vor ein paar Wochen postete PETA Deutschland diesen Slogan in Form eines Bildes auf ihrer Facebook-Seite. Eine Userin kommentierte "Ist man jetzt nicht mal mehr als Vegetarier bei euch willkommen?" - und ich klickte auf "gefällt mir".
Spätestens seit J.s Besuch am Wochenende trage ich mich wieder mit dem Gedanken schwanger, vegan zu werden. Doch ich weiß auch: Das kann ich nicht von heute auf morgen, vielleicht auch nie, vor allem nicht in aller Konsequenz. Ich trage Lederschuhe, die ich auch noch weiter tragen und nicht wegwerfen würde, und Wollschals, die ich ebenfalls trage und über alles liebe, weil Muttern sie mir gestrickt hat. Ich muss Medikamente nehmen, die vielleicht nicht vegan sind (und leider vielleicht auch an Tieren getestet wurden, was mir eh schon zuwider ist). Und ich lebe mit einem flexitarischen Omnivoren zusammen, der wirklich nicht vollständig ohne Fleisch kann, weil er dann schlapp und antriebslos ist; ich habe das schon öfters erlebt. Soll ich nun meine Beziehung beenden, PETA?
Statt auf denjenigen herumzuhacken, die nicht ganz konsequent sein können oder wollen, sollte sich eine Organisation wie PETA lieber dafür einsetzen, dass alle ihr Möglichstes tun. da ist mir der VeBu auch wesentlich sympathischer, der sich u.a. auch für einen gemäßigten Fleischkonsum einsetzt statt von allen eine vegetarische Lebensweise einfordert. 
M. würde mich unterstützen, auch wenn ich den "Mist" herausschneiden und vegan werden würde. Obwohl er Fleisch isst, sieht er den massiven Fleischkonsum des Großteils der Bevölkerung sehr kritisch und in manchen Ansichten ist er durchaus mehr Vegetarier als das zunächst den Anschein hat. Und so wie er mich akzeptiert, muss ich ihn auch akzeptieren, das hat er nur verdient - immerhin hat er es sogar versucht, das mit dem Vegetarischsein. Er verurteilt mich nicht, er würde es im Gegenteil seltsam finden, wenn ich plötzlich wieder Fleisch auf meinen Speiseplan setzte. Vielleicht, weil er mich als Vegetarierin kennen gelernt hat, aber ganz sicher auch, weil er es schätzt, wenn Menschen Überzeugungen und Standpunkte haben und diese vertreten.
Diskussionen führen wir allerdings darüber, wie das Ganze dann aussieht, wenn wir mal Nachwuchs bekommen. Ich würde meine Kinder ja sogar gerne vegan ernähren, bei dem ganzen Negativen, dass ich über tierliche Nahrungsmittel in diesem Zusammenhang gelesen habe. Seine Argumente für eine flexitarische Erziehung nehme ich aber auch ernst und so sehe ich es inzwischen so: Unsere Kinder werden durch uns alles kennen lernen, alle Möglichkeiten. Ohne Etikett und Schublade. Wir werden sie aufklären und ihnen Werte vermitteln, aber was sie essen, müssen sie irgendwann auch selbst entscheiden können und dürfen. Und sie werden wohl flexitarisch mit veganen Einflüssen aufwachsen. Wenn sie denn Fleisch mögen und essen wollen. Was ich irgendwie in einem kleinen Eckchen meines Selbst dann doch nicht hoffe, da bin ich ehrlich ...

Freitag, 4. Oktober 2013

[Rezension] "Ab heute vegan" von Patrick Bolk (Hg.)

(c) Frau von Saltkrokan
Das Thema Vegansein ist für mich noch lange nicht abgehakt, das habe ich spätestens letzte Woche gemerkt, als ein Kommilitone von M. zu mir meinte, vegan sei für ihn das einzig Konsequente (Und das sagt er als Fleischesser!).
Es ist nicht so, dass ich es nicht besser wüsste, aber es fällt mir viel schwerer, auf vegan umzusatteln als auf vegetarisch, das war fast ein Klacks.
Leuten wie mir soll das Buch "Ab heute vegan" helfen. Es stammt von den Autoren von "Deutschland is(s)t vegan", richtet sich an Leute, die wenig oder gar keine Vorkenntnisse mitbringen und ist sehr praxisorientiert. Für mich persönlich hielt es wenig Neues bereit, es ist wohl also für die wirklich blutigen Anfänger. Für diese lohnt sich das Buch aber wirklich: Es ist schön gestaltet und übersichtlich und noch dazu liest es sich mit Spaß runter. In verschiedenen Kapiteln werden die einzelnen Ernährungstypen erklärt, Tipps zur Ernährung und zum Einkaufen gegeben und genauso werden die Themen Auswärts essen, Kosmetik und Kleidung behandelt. Auch mit Mythen und Vorurteilen wird aufgeräumt. Besonders schön fand ich das Kapitel "Entspannt mit (Nicht-)Veganern", in dem mehrfach dazu aufgerufen wird, geduldig und tolerant zu sein und nicht mit der Moralkeule auf alle Nicht-Veganer einzuschlagen.
Das Thema Schwangerschaft und Kinder wird leider nur in einem kurzen Abschnitt abgehandelt. Gerade so ein heikles Thema hätte ein wenig mehr Platz verdient. Natürlich kann man da keine allzu detaillierten Tipps geben, weil diese Themen allein schon eigene Bücher füllen würden, aber ein bisschen schwammig bleibt das Ganze dann doch. Genauso wie bei der Frage, ob man vegane Kleidung bei nicht-veganen Unternehmen kaufen sollte. An diesem Punkt wird nur die Empfehlung ausgesprochen, man solle vegane Unternehmen bevorzugen. Auch hier gilt wieder: Es ist sicherlich schwer, den Leuten zu sagen, was sie machen sollen, aber wenn man es nicht genauer machen kann, hätte man vielleicht auch darüber nachdenken sollen, diesen kleinen Abschnitt wegzulassen. Er lässt die Leser eher im Regen stehen.
Die Interviews mit vegan Lebenden waren auch sehr interessant, weil sie thematisch zu den einzelnen Kapiteln passen, aber auch zeigen, dass sich vegan durch alle möglichen Berufe und Lebensstile zieht.
Für meinen Geschmack hätte man den Rezeptteil noch etwas ausbauen und vor allem die Anregungen für Baukasten-Gerichte nicht auf Gemüsepfannen, Aufläufe, Gemüsesuppen und Salate beschränken sollen. Das hat so ein bisschen was von Klischee und Vorurteilen, die ansonsten ja mit diesem Buch ausgeräumt werden sollen. Was Essen angeht, ist das Kapitel zu Auswärts essen auch sehr hilfreich, es gibt Tipps und macht Mut, sich nicht auf die Standardkarten zu beschränken und in den Restaurants Vorschläge zu machen.

Anfangs irritierte mich die Fülle an Links, Literaturhinweisen und vor allem die Erwähnung von Produkt- und Firmennamen, aber für Einsteiger ist es fantastisch. Denn was nützt es, schwammig zu erklären, dass es in vielen Supermärkten Alternativen für Milch gibt oder in Drogeriemärkten Naturkosmetik. Konkrete Namen helfen dem Unbedarften mehr als bloße Hinweise, die eh nur eine eigene Suche notwendig machen. Besonders in Sachen Kosmetik und Kleidung sind diese Tipps hilfreich, denn vegan ernähren ist im Vergleich dazu (für mein Empfinden jedenfalls) leichter umsetzbar.

Insgesamt ist "Ab heute vegan" ein guter Einstieg in das Thema Vegansein; für informiertere Leser sind sicherlich die Literaturhinweise und Linktipps sehr interessant.
Mich hat das Buch auf jeden Fall wieder nachdenklicher gestimmt und ich habe mich heute beim Einkaufen dabei "ertappt", wie ich nicht-vegane Lebensmittel wieder ins Regal zurückgestellt habe. In Zukunft will ich versuchen, veganer zu leben. Das ist ein Zwischenzustand, vielleicht auch ein fauler Kompromiss, aber mehr geht (noch) nicht. Noch bin ich nicht soweit wie die Autoren von "Ab heute vegan", aber vielleicht bin ich ja auf dem Weg dorthin:

«In dem Film "Matrix" haben die Menschen die Wahl, die blaue Pille des Verdrängens und der Illusion, oder die rote Pille der Erkenntnis, der Realität, zu schlucken. Die Autoren dieses Buches haben sich für die rote Pille entschieden, und das war eine der besten Entscheidungen in ihrem Leben.» (S. 116)


Ventil Verlag, Taschenbuch, 137 Seiten, 12,90 €, ISBN: 978-3-95575-010-7
Ich danke dem Ventil Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar!

Dienstag, 24. September 2013

[Gedanken] Ich, das Heidenkind. Oder: Die Baumkronen sind meine Kathedralen.

(c) Frau nach Saltkrokan

An anderer Stelle habe ich ja vor kurzem schon angedeutet, dass sich mein Glaube nicht im christlichen Rahmen bewegt. Ich habe lange - auch schon vor meinem Kirchenaustritt - überlegt, ob ich überhaupt etwas zu meinem Glauben schreiben soll. Zunächst, weil es doch ein sehr intimes Thema ist und zudem, weil mein Glaube ein seltsames Ding ist, ein verstückeltes Sammelsurium, das in keine Schublade passt und dass man nicht mit einem schicken Ismus belegen kann.

Ich habe schon früh gemerkt, dass der christliche Glaube für mich nicht das ist, das mich erfüllt. Als Teenager habe ich mich deswegen auf die Suche nach einem Glauben für mich gemacht, denn so ganz ohne etwas, an das ich glauben kann, das ging dann auch nicht. Eine gewisse Zeit lang habe ich eine Heimat im Buddhismus gefunden und auch heute noch finde ich diese Religion (die ich eher als Lebensweise empfinde) in manchen Aspekten ansprechend; so glaube ich zum Beispiel an Wiedergeburt und ein wenig auch an Karma, wenn auch nicht so streng und konsequent.
Dann habe ich mit der Zeit immer mehr zu so einer Art Naturglauben gefunden, einer Art Pantheimus, nur ohne den "théos". Das war das, was mich immer stocken ließ, wenn ich behauptete, ich sei Pantheistin. Das Ding mit der Natur, das war etwas, was ich gut fand und das mich erfüllte, wenn ich es mir vorstellte, aber ich konnte immer noch nicht an einen Gott glauben. Daher ging ich dazu über, von "etwas Göttlichem" zu sprechen, an das ich glaube. An was genau ich glaubte, konnte ich beschreiben, aber eben nicht mit einem tollen, prägnanten Wort. Letztes Jahr fand ich dann Zugang zum Neuheidentum, mit dem ich viele Dinge teile, aber eben auch hier nicht der wirkliche Glaube an Götter/einen Gott/eine Göttin. Wobei ich an die Natur als Göttliches glaube und man dies wohl am ehesten mit dem Glauben an die Muttergöttin gleichsetzen kann. Das Leben mit der Natur und mit dem Jahreskreis mag ich besonders, eine tiefe Verbundenheit mit der Natur, die man verehrt und zelebriert. Wenn ich in der Natur unterwegs bin, und sei es "nur" in einem Park, spüre ich, dass es mir besser geht, dass ich zur Ruhe komme und in mich gehe. Deswegen brauche ich auch regelmäßig den Kontakt zur Natur, sonst würde ich auf Dauer eingehen wie ein Blümchen ... Die Spaziergänge in der Natur entsprechen wohl dem Kirchgang eines Christen und die Baumkronen sind dabei meine Kathedralen - nicht weniger beeindruckend und genauso erstaunlich. In der Natur steckt so vieles, das wir uns nicht erklären können, etwas, das jenseits von naturwissenschaftlicher Logik funktioniert - und genau das ist das "Göttliche", an das ich glaube.
Ich bete nicht zu diesem Göttlichen und spreche ihm keine Allmacht zu, aber insofern eine Macht, als dass ich auf sie angewiesen bin und sie mich durchdringt. Jedoch habe ich in den letzten zwei Monaten, als es mir gesundheitlich sehr schlecht ging, auch gebetet - zum vielleicht ersten Mal seit meiner Kindheit - und habe Trost in dem Gedanken gefunden, dass mir jemand zuhört und mir meine Gesundheit wieder gibt.

Künftig möchte ich diesen Glauben mehr leben, eventuell auch Gleichgesinnte suchen und mich weiter informieren. Mich schreckt nur manchmal das Schubladendenken, in das ich nicht so recht passen will, weil ich mit meinem Glauben vielleicht nicht so weit gehe wie manch andere. Aber für mich persönlich wünsche ich mir ein Leben mit diesem Glauben und das Leben im Jahreskreis und den Festen - fernab der christlichen Feiertage, die ich zwar sicherlich auch noch feiern werde, die aber schon lange keinen religiösen Wert mehr für mich haben.

Sonntag, 15. September 2013

Wochenrückblick 9.9.-15.9.

(c) Frau von Saltkrokan
Meinen neuen Hausarzt kennen gelernt. Gelacht. Eine Zeitung probeabonniert. Mit einer Freundin "von früher" gechattet. Ein Abo bei der BVG abgeschlossen. Berlinerin geworden. Bei der Stadtbücherei angemeldet. Mit Muttern telefoniert. Aus der Kirche ausgetreten (endlich, nach elf Jahren des Nachdenkens!). Bei Denn's eingekauft und die aktuelle "Schrot & Korn" mitgenommen. Kuchen gebacken und fast verhunzt. Einen Schal für M. angeschlagen. Heißhunger auf Pellkartoffeln gehabt. Einen Umschlag von Lovefilm aus dem Briefkasten gefischt. Spazieren gegangen und durchgeatmet. Fotografiert. Über Vegansein nachgedacht. Mit M. Kakao getrunken und Kuchen gegessen. Gelesen. U-Bahn gefahren. "Meine" Bücherei gefunden und enttäuscht festgestellt, dass sie bald für längere Zeit aufgrund von Baumaßnahmen schließt ... Kürbissuppe gekocht. Baguette in die Suppe gestippt. Den Rest Kürbissuppe eingefroren. Das Haushaltsbuch bestückt. Tee getrunken. "Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer" zu Ende gelesen. Einen faulen Sonntag gehabt.

Freitag, 13. September 2013

[Gedanken] Mein Weg zu einer neuen Ernährungsweise.

Im letzten Sommer befand ich mich auf dem Weg in den Veganismus. Ob ich wirklich mit Herzblut und ohne Kompromisse Veganerin geworden wäre, wage ich zu bezweifeln, allerdings verzichtete ich weitestgehend auf Joghurt und Milch und griff auf die pflanzlichen Alternativen zurück. Als ich M. kennen lernte, änderte sich das wieder ein wenig und in diesem Sommer kam es dann ganz dicke: Aus gesundheitlichen Gründen habe ich wieder Fisch gegessen, um ein paar der Nährstoffe, die ich sonst nicht kriegen würde, zu bekommen. Für viele überzeugte Veganer und Vegetarier mag das eine dumme Ausrede sein, aber ich möchte mich da gar nicht herausreden, so ist es nun mal. Ich bin nicht stolz darauf, weil ich es eigentlich "besser" weiß, aber ich habe jetzt auch gelernt, dass man manchmal nicht anders kann als Überzeugungen über Bord zu werfen - so enttäuscht man selbst dann auch von sich selbst ist. Wenn es einem nicht gut geht, dann hat man meistens nichts anderes zu tun als für sich selbst zu sorgen und für sich selbst einzutreten, ganz egoistisch. 
Fisch habe ich allerdings auch nur zuhause gegessen, wenn ich genau wusste, dass er zertifiziert ist, und nun, da es mir wieder besser geht, wird der Fisch auch wieder von der Speisekarte gestrichen. Aber eines hat mich dieses Erlebnis gelehrt: Manchmal muss man auf seinen Körper hören, wenn man urplötzlich Gelüste auf etwas bekommt, das man sonst nicht oder selten isst. Dann sind das nicht nur bloße Gelüste (so wie beispielsweise jene auf Schokolade), sondern Appelle des Körpers, dass er etwas braucht, das er nicht bekommt.

Inzwischen merke ich auch, dass ich mich immer mehr zu einer ursprünglicheren Ernährungsweise hingezogen fühle, die nichts zu tun hat mit vegetarischen/veganen Ersatzprodukten und die einfach "naturvegetarisch" bzw. "-vegan" ist. Pflanzliche Nahrung bekommt mir immer noch am besten, allerdings habe ich auch oft genug ein großes Bedürfnis nach Quark oder Joghurt und diesem Verlangen möchte ich in Zukunft mehr nachgeben.
Als wir diese Woche in einem asiatischen Supermarkt waren und ich nach meinen liebsten Instantnudeln gesucht hatte, las ich E-Nummer über E-Nummer und es war mir zuwider. Wieso immer dieses künstliche? Wieso wissen die Menschen schlichte Pellkartoffeln mit Quark nicht mehr zu schätzen? Und wieso müssen sie im November Erdbeeren essen und wieso essen sie keinen Rettich mehr, nur weil er nicht so schön aussieht? Ich möchte saisonal und regional essen, so gut es eben geht. Möchte gutes Essen essen, Essen, das meinem Körper gut tut und der Umwelt so wenig wie möglich schadet. Und ja, irgendwann kommt man in ein Alter, in dem Fast Food nicht mehr so leicht verdaulich ist und man Nahrung als das begreift was es ist: Etwas, das den Körper nähren und nicht kaputt machen sollte.

Freitag, 30. August 2013

"Denn nichts ist schwerer und nichts erfordert mehr Charakter, als sich in offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein."*

Seit letztem Jahr beschäftige ich mich mit dem Thema Introversion vs. Extroversion. In der letzten Zeit habe ich mir wieder vermehrt Gedanken darüber gemacht, vor allem im Zusammenhang mit dem individuellen Alter. Ob es an meinem Introvertiertsein liegt oder einfach an meinem Charakter, ich weiß es nicht, aber ich habe mich selten meinem Alter entsprechend verhalten. Schon als Kind war ich die Stille, die sich mit sich selbst beschäftigt hat und nicht wild schreiend durch die Gegend gerannt ist und nach Aufmerksamkeit verlangt hat. Ich war ein fröhliches Kind, aber eben kein lautes. Als Jugendliche wurden die Unterschiede zu Gleichaltrigen immer deutlicher und in der Abizeit habe ich meine Wochenenden lieber zuhause verbracht als mein Taschengeld zu verfeiern und zu versaufen. Ältere haben mir schon häufiger gesagt, dass ich älter wirke als ich eigentlich bin, dass man sich mit mir über essentielle Themen unterhalten kann, und ab einem gewissen Zeitpunkt verwandelte mich meine Verwirrung und Hilflosigkeit darüber in Stolz. Vielleicht wirkte ich auf meine Altersgenossen langweilig und zurückgezogen, aber ich hatte immer wieder das Glück, auf Gleichgesinnte zu treffen und hatte keine Probleme, mich mit Älteren zu unterhalten und zu verstehen. Ich lebe mich nicht weniger aus als andere in meinem Alter, die viel feiern und ständig auf Achse sind. Ich lebe mich nur eben anders aus. Stiller. Und auch wenn es oftmals anstrengend ist und auch traurig macht, anders zu sein und sich zu rechtfertigen, habe ich inzwischen gelernt, mich anzunehmen und zu mir zu stehen - und nichts erscheint schwieriger, als sich im Gegensatz zu seinen Altersgenossen zu befinden (um einmal Bezug auf das Zitat im Titel zu nehmen). Über mich selbst sage ich scherzhaft, dass ich schon mit vierzig Jahren auf die Welt gekommen bin - eine leichte Übertreibung, die aber verdeutlicht, wie seltsam es sich manchmal anfühlt, wenn man sich so viel älter fühlt als man ist. Dennoch ist das nichts Negatives mehr für mich und auch nicht so gemeint wie man vielleicht mal sagt "Ich fühle mich wie eine achtzigjährige Oma!". Es ist eben so, dass ich mich nicht wirklich wohl fühle in diesem Alter, dass ich mich sogar eher darauf freue, älter zu werden, weil mein Alter dann vielleicht besser zu mir passt.
In M. habe ich einen Partner gefunden, dem es ähnlich geht und der eine ähnliche Biografie hat, was das Thema angeht. Und wie hat er letztens so schön gesagt? "Wir sind nun mal anders als Andere in unserem Alter. Wir sind Freaks, Nerds. Und wir werden uns unser Leben lang dafür rechtfertigen müssen." 
Aber vielleicht kommen wir ja auch irgendwann in ein Alter, in das wir wirklich gehören ...




*Kurt Tucholsky

Dienstag, 6. August 2013

Lebenszeichen aus dem Offline-Leben

(c) Frau von Saltkrokan
Lange war es hier still, über einen Monat lang habe ich nicht mehr gebloggt. Es zu schaffen, dann doch wieder zu bloggen, ist oftmals schwieriger als man denkt. Wenn das Leben einen so im Würgegriff hält und es so viel zu tun gibt, dass man nicht weiß, wo einem der Kopf steht. Wenn man dann auch noch krank wird und alles chaotischer verläuft als man es sich gedacht und gewünscht hatte. M. und ich leben jedenfalls sozusagen halb aus Kisten zur Zeit, im Haus seiner Mama, in Zwischenexistenz. Wir sind nun dabei, unsere materiellen Güter zu fusionieren, so dass ein einziger runder Hausstand dabei heraus kommt - ohne alles und jedes doppelt und dreifach nach Berlin mitzuschleppen. Wann genau es nach Berlin geht, ist gerade etwas unsicher geworden, wegen des Chaos und der Dinge, die uns überrollt haben, ohne dass wir sie haben kommen sehen. Bis zum - hoffentlich goldenen - Oktober sollte es aber soweit sein und ich freue mich schon sehr!
Ich hoffe, dass ich nun auch wieder ab und an zum Bloggen komme, ihr werdet jedenfalls von mir lesen!

Dienstag, 2. Juli 2013

[Gedanken] "Ich warte auf einen call von meiner Sis" - oder: Wie, bitte?

Manchmal fühle ich mich als lebte ich hinter dem Mond. Ich wage zu behaupten, dass ich meine Muttersprache Deutsch sehr gut beherrsche, Englisch leidlich, zumindest meinem Empfinden nach. Auch ich nutze ab und an Anglizismen und finde nichts Schlimmes daran, wer will schon "elektronische Nachricht" statt "E-Mail" sagen ... Aber in letzter Zeit beobachte ich bei meinen Altersgenossen vermehrt den Hang zu einem übermäßigen Gebrauch englischer Worte. Das sind dann keine Anglizismen mehr, sondern das vermeintlich coole Austauschen des deutschen durch das englische Wort. Da wünschen sich Menschen "goodbye" statt "Tschüss!", warten auf einen "call" oder wollen einen "callen", gehen eine "smoken" oder sprechen von der Schwester als der "Sis" (wohlbemerkt, groß geschrieben, ein doppelter Fehler sozusagen). Bei M. musste ich mich auch an die ein oder andere Marotte gewöhnen, beispielsweise, wenn er "sweet" oder "nice" sagt, was aber dem einen Jahr in den USA geschuldet ist und nicht irgendwelcher - entschuldigt bitte, dass ich mich dafür jetzt nicht entschuldige - depperter Cool-Macherei. 
Oft beobachte ich dieses sprachliche Gehabe bei Menschen in Medienberufen, selbst Germanisten verfallen diesem. Natürlich gilt Deutsch nicht als "cool", es ist ein wenig angestaubt und besonders achso kosmopolite Menschen peppen es gerne mit Englisch auf. Damit wirkt man trendy, smart und up to date - und in meinen Augen macht man sich lächerlich.
Wenn ich irgendwann dieser Krankheit verfallen sollte, so möge mich bitte irgendjemand erschlagen, am besten mit einem Duden. Und nun schimpft mich gerne alle miteinander einen Sprach-Snob, ich bin es mit stolz geschwellter Brust!

Sonntag, 30. Juni 2013

Wochenrückblick 24.6.-30.6.

(c) Frau von Saltkrokan
Mit dem Zug gefahren. Versucht, im Zug zu schlafen - wurde leider nichts. Von Mutti am Gleis begrüßt worden und ihr M. vorgestellt. M. meinem Vater und meiner Omi vorgestellt. Geärgert. Dibbelabbes mit Apfelmus gegessen. Mit M. meine Kinderbilder geguckt. Bücher aussortiert und umgeräumt. Bei Ikea gefrühstückt und Stoff für Kissenbezüge gekauft. Beim liebsten Teedealer Tee gekauft und gequatscht. M. Saarbrücken gezeigt (so bisschen zumindest). Im "Baker Street" warmen Kakao getrunken und Guinesskuchen gegessen - passend zum sommerlichen Wetter (Hust!). Einen grünen Tee beim liebsten Tea Shop geholt. Bei Amazon stapelweise Bücher eingetauscht. Beim Italiener Abendessen bestellt. Überfressen. Je. und Ka. getroffen und Baguette mit ihnen und M. gegessen. Von Ka. ein Geschenk bekommen. Ka. mit den Worten "Hochzeit" und "Kinder" geschockt und ihr Gesicht genossen. Mit den Ärzten auf voller Lautstärke zum elterlichen Haus zurückgefahren. Von Papa zum Bahnhof gebracht worden. Wieder mit dem Zug gefahren, diesmal ein bisschen geschlafen. Viel gelesen (Das Geschenk von Ka.). Einen wundervollen französischen Film gesehen. Erdbeeren und Kirschen gekauft. Shortbread gebacken. Kontakt mit M.s amerikanischer Gastfamilie aufgenommen. Beim Bürgeramt Kopien beglaubigen lassen und unfassbar unverschämte zwanzig Euro dafür bezahlt. J. ihren bestellten Tee übergeben. Den kränkelnden M. gehätschelt. H.s Auslandssemester-Blog gelesen. Den Kopf zerbrochen. Angst gehabt. Pläne gemacht. Adressen notiert. Gedanken gemacht. Suppe gekocht - hält den Magen bei dem Wetter warm ... Listen erstellt. "How I Met Your Mother" weitergeguckt. Mit S. und C. telefoniert, Balsam für die Seele.

Samstag, 29. Juni 2013

[Gedanken] "Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein."*

(c) Frau von Saltkrokan
Ich habe Versagensängste. Lange bevor ich überhaupt aktiv geworden bin. Das war eigentlich schon immer so und manchmal so schlimm, dass ich erstarre und verharre, mich nicht mehr bewege - und unweigerlich versagen muss. Da hilft es auch nichts, sich alte Punk-Parolen aufzusagen im Stile von "Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren!". Da hilft kein Zuspruch, nicht einmal von M. Ein wenig half der moralische Arschtritt vom Lieblingsdozenten, der sagte, dass man keine Zeit mehr zum Angsthaben habe. Doch auch der verebbt irgendwann in einer Flut aus Selbstzweifeln.
Da macht man sich Listen, weiß, was man alles noch zu erledigen hat, und lebt dennoch viel zu sehr in den Tag hinein, weil man erstarrt ist. Regelrecht zu einer Salzsäule, lebensunfähig, in der Hoffnung, dass schon alles wird, selbst wenn man sich nicht bewegt. Das finde ich selbst schrecklich, ich will ja gar nicht so sein und manchmal denke ich, dass ich eigentlich auch nicht so bin. In den wichtigen Punkten bin ich ja aktiv geworden. Irgendwann mal. Zwei Wochen vor Abgabetermin der Bachelorarbeit. Komischerweise sehr viel früher bei den Bewerbungsfristen für die Unis. Nie in Sachen Sport. Immerhin habe ich einen Universitätsabschluss zustande gebracht, bin von Zuhause ausgezogen. Irgendwie hat das ja alles geklappt. Aber wieso nur muss ich es mir so schwer machen, wieso läuft alles von mir vorbei? Wieso habe ich das Gefühl, alles wie Sand in den Fingern zu halten statt es wirklich festzuhalten, anzupacken? 
Ich brauche immer scheinbar ewig für den ersten Schritt, nach dem alles kinderleicht zu sein scheint. Dieser erste Schritt macht mir Angst, weil er alles meist so endgültig und real macht. Dann muss ich den Weg auch gehen, dann gibt es kein Zurück mehr.

Manchmal denke ich an mein neunzehnjähriges Ich. Eine blutjunge Frau, die keine Angst hatte, keine Zweifel, ob es das Richtige ist, wegzuziehen, Germanistik zu studieren und ihren Weg zu gehen. Doch jetzt ist da fast nichts konkretes, alles ist ungewiss, und das ist für einen Kontrollmenschen wie mich sehr schwer. Es ist gerade eine unfassbar schöne Zeit, aber auch eine verwirrende, beängstigende Zeit. Ich weiß, ich werde das alles meistern. Wenn ich doch nur endlich den ersten Schritt tun würde ...




* Friedrich Nietzsche, "Jenseits von Gut und Böse"

Freitag, 14. Juni 2013

[Lesestoff] "Lean In" von Sheryl Sandberg

(c) Frau von Saltkrokan
Wie ich auf "Lean In" stieß, kann ich gar nicht mehr genau sagen und dass ich vorher noch nie etwas von Sheryl Sandberg, der Geschäftsführerin von Facebook, gehört hatte, sollte ich wohl besser eh nicht zugeben ... Da ich gerade kurz vor dem Schritt ins Berufsleben stehe und mir auch so einige Gedanken in Richtung Partnerschaft und Familiengründung mache, hat mich das Buch sofort angesprochen und so habe ich es in der Bücherei ausgeliehen (Nachdem ich mich doch dagegen entschieden hatte, es im Original zu lesen). 
Die letzten paar Seiten habe ich noch vor mir, aber auch jetzt schon kann ich sagen, dass ich begeistert bin. Ich habe mich so oft in dem Buch wiedererkannt und verstanden gefühlt wie selten. Sheryl Sandberg schlägt deutlich den feministischen Weg ein, ohne dogmatisch oder parteiisch zu sein. Sie beschäftigt sich in ihrem Buch mit verschiedenen Aspekten zum Thema "Frauen und Karriere" und lässt dennoch auch die Männer nicht außen vor, denen ich die Lektüre auch nur ans Herz legen kann. Am sympathischsten macht Sandberg, dass sie sich nicht als perfekt darstellt, sondern ihre eigenen Schwächen, Fehler und Ängste zugibt und man sich somit verstanden fühlen kann. Sie nimmt sich selbst nicht aus, sie ist trotz allen Erfolgs auch von Schuldgefühlen und Minderwertigkeitsgefühlen geplagt und weiß, dass sie nicht perfekt ist - aber sie hat gelernt, dazu zu stehen.
Interessant ist auch ihre These, dass Frauen nicht nur von außen an ihren Karrieren gehindert werden, sondern auch aus inneren Hemmungen heraus. Eine erfolgreiche Frau wird nicht so bewundert wie ein Mann, im Gegenteil. Und Frauen "dürfen" auch nicht so erfolgreich (oder bewahre! erfolgreicher!) wie ein Mann sein. Auch ich habe jahrelang mit mir gehadert, weil ich Erfolg in der Uni hatte und das Gefühl hatte, ich sollte dies besser nicht tun, weil mein Erfolg nicht gewürdigt und mir im Gegenteil noch ein schlechtes Gewissen eingeredet wurde. Bis ich endlich aufgewacht bin und erkannt hatte, wie falsch es ist, wenn jemand sich so verhält und ich sehr stolz auf das sein kann, was ich erreicht habe.
Ich selbst strebe keine große Karriere an, weil ich mit den Jahren festgestellt habe, dass mir eine Familie und genügend Freizeit doch wichtiger sind. Da ich aber höchstwahrscheinlich selbst einmal eine "working mum" sein werde, war das Buch ein wahrer Mutmacher, diesen Weg stetig zu verfolgen und dabei zu bleiben. Das Buch spricht zwar hauptsächlich Frauen in führenden oder höheren Positionen an, aber man kann es auch überhaupt auf berufstätige Frauen übertragen. Obwohl ich mir von meiner Mutter als Kind manchmal gewünscht hätte, dass sie mehr zuhause ist, muss ich heute als Erwachsene sagen, dass es mir in meiner Entwicklung sehr gut tat, keine Vollzeitmutter zu haben. Ich habe früher gelernt, selbstständig zu sein, hatte in diese Richtung hin ein Vorbild und heute ein besseres Verhältnis zu ihr, weil sie nie gegluckt hat. Sheryl Sandberg fragt sich in ihrem Buch, ob sie eine schlechte Mutter ist, weil sie die Namen sämtlicher Klassenkameraden ihrer Kinder nicht weiß - ich frage mich: Ist das denn so wichtig? Und: Wenn nur das eine gute Mutter ausmacht, ist das auch ein wenig arm ... Zu einer guten Mutter gehört doch noch viel mehr als solche Details!
Auch ein sehr schönes Kapitel ist dasjenige mit dem Titel "Machen Sie Ihren Partner zu einem echten Partner". Darin geht es um die wirkliche, gelebte Gleichberechtigung innerhalb der Beziehung. Darum, dass man sich die Arbeit gerecht teilt, dass man ein Team ist. Und - in meinen Augen genauso wichtig wie Emanzipation - darum, den Männern mehr zuzutrauen und auch mehr von ihnen zu fordern. Denn, wie Sandberg, jemanden zitiert: Frauen trauen wir "Männeraufgaben" zu, aber Männern seltener "Frauenaufgaben". Und das macht für mich Gleichberechtigung aus: Dass beide Geschlechter alles anpacken und dass es keine Unterscheidung zwischen den Geschlechtern mehr gibt. Natürlich, wenn ich M. darum bitte, mir etwas schweres zu tragen oder wenn er beim Umzug mit einem Kumpel die Waschmaschine schleppt, könnte man dies auch als geschlechterdifferenzierte Verhaltensweise abtun, aber hier geht es doch vor allem um physische Stärke ...

Insgesamt kann ich "Lean In" nur empfehlen, und zwar allen: Frauen ebenso wie Männern. Wer einen kurzen Einblick in das Buch haben möchte, dem kann ich nur das Video eines Vortrags von Sheryl Sandberg ans Herz legen - hier legt sie sozusagen den Grundstein für das später geschriebene Buch.


«Zusätzlich zu den äußeren, von der Gesellschaft errichteten Barrieren, werden Frauen durch Barrieren in ihrem Inneren behindert. Wir selbst bremsen uns in großen wie in kleinen Dingen aus, weil uns das Selbstbewusstsein fehlt, weil wir die Hand nicht heben, und weil wir uns zurücklehnen, wenn wir uns vorlehnen und uns reinhängen sollten. Wir verinnerlichen die negativen Botschaften, die wir unser ganzes Leben lang zu hören bekommen - die besagen, dass man als Frau nicht forsch und aggressiv und nicht mächtiger sein darf als ein Mann. [...]» (S. 16)

Freitag, 31. Mai 2013

Was ich an Düsseldorf vermissen werde.

(c) Frau von Saltkrokan
In den letzten Tagen kam bei mir immer häufiger der Gedanke auf, was ich an Düsseldorf vermissen würde, wenn ich nicht mehr hier wohne. Immerhin sind es nur noch zweieinhalb Monate, dann ziehen wir hoch ... 
In Düsseldorf bin ich erwachsen geworden. Hier habe ich studiert, gute fünf Jahre lang. Hier habe ich Freundinnen kennen gelernt, die mich hoffentlich mein Leben lang begleiten werden. Ich habe hier eine Familie gehabt und wieder verloren. Ich habe mich in dieser Stadt so sehr verändert wie vielleicht noch nie zuvor in meinem Leben. In Düsseldorf habe ich Neues entdeckt und schätzen gelernt. Und ich habe M. hier kennen gelernt. Düsseldorf wird mir daher immer etwas bedeuten und ich bin dankbar, dass ich hierher ziehen und meine Erfahrungen machen konnte.
Da ich ein ziemlicher Gewohnheitsmensch bin, ist es für mich nicht gerade einfach, verpflanzt zu werden. Als ich nach Düsseldorf zog, hat es fast zwei Jahre gedauert bis ich mich wirklich heimisch fühlte. Ich habe allerdings die Hoffnung, dass es mit Berlin nicht ganz so lange dauern wird und ich sage mir auch immer wieder, dass die schönen Dinge, die mir an Düsseldorf fehlen werden, durch andere schöne Dinge ersetzt werden (können) - also immer positiv denken! Bis dahin würde ich euch aber gerne an ein wenig Schwelgerei teilhaben lassen, vollkommen parteiisch und subjektiv. Vielleicht sogar mit ein wenig Pathos und Schmalz.
Übrigens, in den nächsten Tagen folgen dann auch noch die dazugehörigen Listen, was ich an Düsseldorf nicht vermissen werde und worauf ich mich in Berlin freue.

Die Stadtbüchereien. Als ich hierher zog, dachte ich noch, wie blöd die Stadtbüchereien sind. So ganz anders als die in meiner Heimatstadt. Dann fand ich allerdings heraus, dass es fünfzehn Standorte gibt, die über die gesamte Stadt verteilt sind, dass man DVDs, die teils brandneu sind, kostenlos ausleihen kann und dass man aus den sogenannten Zweigstellen etwas bestellen kann, auch kostenlos. Erwerbsvorschläge wurden so gut wie immer angenommen und umgesetzt und ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass die Stadtbüchereien (besonders die am Hauptbahnhof, die in Derendorf und die in Bilk) mein zweites Zuhause sind.

Die Rheinuferpromenade und den Medienhafen. Beide Orte sind beliebte Ziele im Frühling und Sommer. An der Rheinuferpromenade findet im Sommer die Büchermeile statt: Entlang des Rheins sind Stände aufgebaut, an denen gebrauchte Bücher verkauft werden. Ihr könnt euch denken, dass ich fast jedes Mal da bin, und sei es nur zum Stöbern! Ansonsten schätze ich die Rheinuferpromenade und den Medienhafen als Kurzurlaubsziele. Wenn man ein paar Stunden dort war, fühlt man sich als sei man im Urlaub gewesen, ganz besonders im Sommer, wenn vom Rhein her eine frische Prise weht.

Den Zoopark. Dieser Park liegt bei mir direkt um die Ecke und er ist eine regelrechte Ruheoase, direkt an einer großen lauten Hauptstraße. Wenn es draußen schön ist, gehe ich hier gerne spazieren oder sitze auf einer Wiese und lasse die Seele baumeln. Aber auch im Winter, wenn der See zugefroren ist, lohnt sich ein Spaziergang. Einmal liefen mehrere Leute sogar Schlittschuh auf dem See - und missachteten die Verbotsschilder. Und die armen Enten mussten sich eine winzige Ecke teilen, die nicht zugefroren war!
Übrigens, einen Zoo gibt es schon lange nicht mehr in Düsseldorf (nur noch den Aquazoo, und der liegt ganz woanders). Das sogenannte Zooviertel (oder auch Düsseltal) heißt nur noch so, weil dort bis 1945 der Zoo war. Besucher verwirrt das regelmäßig ...

Die Rethelstraße. "Meine" Einkaufsstraße direkt um die Ecke. Erst als ich schon länger hier wohnte und auch mal in einem Schreib- und Spielwarenladen auf der Rethelstraße arbeitete, erfuhr ich, dass diese Straße eine beliebte Adresse ist - durchaus auch bei den Besserverdienenden ... Ich mag sie vor allem, weil sie alles bietet, was ich brauche, um meine Besorgungen zu machen, ganz besonders, seit hier vor kurzem ein DM aufgemacht hat ;-)

Die Enten- und Gänseküken am Uniteich. Ihr denkt jetzt "Die hat sie doch nicht mehr alle"?. Vielleicht. Ein bisschen. Aber wenn ihr im Frühling die neuen Küken sehen würdet, würdet ihr auch dahinschmelzen. Die Küken watscheln gerne auch mal an der Unibibliothek vorbei, wo dann alle möglichen Leute stehen bleiben und sie fotografieren und angucken - da werden alle wieder zum Kind. Außerdem sind die Küken ein untrügliches Zeichen dafür, dass es bald Sommer wird.

Den "Schwan". Wo wir schon mal bei Geflügel sind ... Mein absolutes Stammcafé, zumeist dasjenige in der Altstadt am Burgplatz, mit Blick gen Rhein. Seit ich Vegetarierin bin, finde ich leider nicht mehr so viel zu essen auf der Karte, aber die hausgemachte Limonade und das warme Schokoküchlein sind immer noch unschlagbar lecker und für meine Freundin K. und mich ist es die Adresse für Mädelstreffen. Vor kurzem haben sie jetzt auch eine Filiale in der Nähe meines Viertels aufgemacht - jetzt wo ich bald wegziehe ... Tzes ...

Das "Sattgrün". Ein tolles vegan-vegetarisches Restaurant, in dem es regionale und saisonale Küche gibt, in Büffetform. Leider sind diese Art Restaurants in Düsseldorf noch recht rar gesät ... Dort gehe ich gerne mit meiner Freundin J. essen, die sich dort als Veganerin nicht dauernd Gedanken machen muss. Wenn ihr mal ins "Sattgrün" kommt, müsst ihr unbedingt den Crumble probieren, der ist einfach göttlich!

Das Japanviertel. Die große Besonderheit Düsseldorfs, denn hier lebt die größte japanische Gemeinde Deutschlands und diese prägt das Stadtbild ungemein. Nicht nur im Japanviertel, sondern auch im Nordpark mit dem japanischen Garten und mit dem Eko-Haus und dem buddhistischen Tempel und japanischen Kindergarten in Oberkassel. Im Japanviertel bin ich allerdings häufiger. Hier kaufe ich meine Sojasauce, Noriblätter oder Sushireis, wir gehen gerne im Okinii essen und bei Waraku oder Maruyasu kaufe ich meine Onigiri to go. Die beiden japanischen Bäckereien sind auch ganz toll, weil es hier Sachen gibt, die für den deutschen Gaumen eher befremdlich sind. In der Woche vor dem Japantag (der gewöhnlich im Mai oder Juni stattfindet) lohnt es sich, in den Supermärkten vorbei zu schauen, weil diese dann ihr Sortiment aufstocken.

Die 706. "Meine" Straßenbahn, mit der ich am häufigsten fahre. Sie bringt mich (teils) zur Uni und in die Altstadt. Sie ist die kurioseste Straßenbahn in Düsseldorf, weil sie seltsam im Rund fährt, so wie keine Bahn sonst. Wichtig ist in Düsseldorf übrigens, dass man zur Straßenbahn niemals "S-Bahn" sagt, denn das sind die Züge, die Düsseldorf mit anderen Städten verbinden.

Meinen Postboten. Das klingt jetzt ein wenig seltsam und zweideutig ("Wenn der Postbote zweimal klingelt", haha), aber mein Postbote ist so eine rheinische Frohnatur, ein netter älterer Herr, der meinen Namen kennt, auch wenn ich ihm auf der Straße begegne. Er kramt mir dann gerne auch mal meine "Zeit" oder den "Spiegel" aus seinem Postwagen und er schleppte eine ganze zeitlang kiloweise Bücher für mich durch die Gegend, als ich meine Tauschticket-Phase hatte.
Neben meinem Postboten werde ich auch noch weitere Menschen "vermissen", mit denen ich hier regelmäßig zu tun habe. Beispielsweise diverse Ärzte (in Berlin neue zu finden, das wird mein Albtraum!) oder Supermarktkassiererinnen.

Den kürzeren Weg nach Mönchengladbach und Saarbrücken. Düsseldorf liegt wesentlich näher an M.s und meiner Heimatstadt als Berlin, das ist klar. Nach Mönchengladbach können wir mal eben rüberfahren und auch wenn Saarbrücken wiederum ein gutes Stück weiter ist, ist es noch näher als von Berlin aus. Der weitere Weg und der Einstieg ins Berufsleben bedeuten, dass wir (v.a. ich) unsere Familien noch seltener sehen werden, aber ich denke, das werden wir auch noch schaukeln.


Und natürlich werde ich auch meine Freundin J. vermissen, die uns aber hoffentlich mal in Berlin besuchen kommt!

Montag, 20. Mai 2013

[Immer schon mal] Vegan leben - die zweite Woche

Meine Lieben, heute ist nun auch die zweite Woche meines Experiments, vegan zu leben, vorbei. Um es gleich vorweg zu nehmen: Dieses Experiment wird nicht sang- und klanglos verschwinden, sondern hat seine Spuren hinterlassen. Letztes Jahr hatte ich ja einmal beim Vegan Wednesday mitgemacht und ab dieser Woche möchte ich das nun regelmäßig machen; Mittwoch wird also mein veganer Tag in der Woche!
Aber auch sonst habe ich einiges mitgenommen für mich selbst: Wirklich schmerzlich vermisst habe ich nicht viel oder nicht wirklich etwas. Irgendwann stellte ich fest, dass Parmesan in Massen die Pastasauce eher verhunzt, dass Scheibenkäse nicht das höchste der käsigen Genüsse ist und dass eine Pizza auch ohne dicke Käseschicht auskommen kann. Die Pfannkuchen klappen mit Sojamehl genauso gut wie mit Eiern, so dass wir hier wohl auch in Zukunft öfters zur pflanzlichen Alternative greifen werden. Allerdings habe ich nach M.s Milch/Schokocreme (ihr wisst schon, die gestrudelte) gegiert, ebenso vermisse ich sein Rührei (er macht ein gigantisch leckeres Rührei) und ich muss ehrlich gestehen, dass ich mich jetzt doch ein wenig auf ein Stück Camembert freue (das französische Blut in mir giert danach).
Doch die zwei kurzen Wochen haben mich sensibilisiert und ich werde versuchen, in Zukunft vor allem unveganen Fertigprodukten aus dem Weg zu gehen. Das bringt es mit sich, dass ich auch Kalorien einspare, wenn ich nicht einfach mal so im Vorbeigehen irgendwo etwas zu essen kaufen kann. Und es macht mich gesünder, weil ich weniger Zusatzstoffe zu mir nehmen werde/möchte. Abgenommen habe ich auch schon ein bisschen - ob das nun allerdings am Kalorienzählen oder am Vegansein liegt, keine Ahnung!

Nun aber möchte ich Bilder sprechen lassen:
(c) Frau von Saltkrokan
Montags gab es endlich das Linsengemüse, das eigentlich schon für die Woche davor geplant gewesen war. Inspiriert von Attila Hildmanns "Vegan for Fit" und außerdem eine gute Gelegenheit, endlich die Tellerlinsen zu verkochen, die noch vom Winter im Vorratsregal vor sich hin dümpelten.
(c) Frau von Saltkrokan
Dienstag war mein Highlight der Woche: Es gab die Soja-Rinderfilets, die wir in Berlin im "Veganz" gekauft hatten. M. zauberte noch eine Sauce dazu, als Beilage gab es Reis. Ich kann die Filets nur empfehlen, allerdings muss ich Leuten, die Fleisch nicht mögen oder Ersatzprodukten skeptisch gegenüberstehen, vehement davon abraten, da es wirklich sehr fleischig schmeckt. Das nächste Mal müssen wir es nur länger marinieren, damit es würziger wird. Ein absolutes Nachkaufprodukt!
(c) Frau von Saltkrokan
Die Tomatensuppe am Mittwoch rief dann weniger Begeisterung hervor. Ich bin mir bis jetzt noch nicht sicher, ob ich sie nun gut oder schlecht fand, sagen wir, sie ist so lala. Sie erinnerte mich eher an flüssige Tomatensauce denn an Suppe. Vielleicht fehlten einfach ein paar Gewürze und das Tomatenmark, das wir leider nicht mehr da hatten. Das Rezept hatte ich aus "Ab jetzt vegan!", ein tolles Kochbuch, das sicher noch öfters zum Einsatz kommen wird. Die Focaccia, die ich dazu buk und die von einem Rezept aus der neuen  "Deli" inspiriert war, wird allerdings auf jeden Fall noch einmal nachgebacken.
(c) Frau von Saltkrokan
Ein zweites Highlight gab es am Donnerstag: Vegane Pizza (bzw. in M.s Falle vegetarisch, mit Mozzarella). Inspiriert mal wieder von Attila Hildmann, allerdings sparte ich mir die Cashew-Creme obendrauf. Die Pizza war urlecker, auch ohne Käse, und ich kann sie mir außerdem sehr gut noch mit (halb)getrockneten Tomaten vorstellen. Da wir noch Tiefkühlspinat da hatten, kam der zum Einsatz, mit frischem Spinat ist das sicherlich noch einmal ein ganz anderes Geschmackserlebnis. Von der Sauce (in die wir übrigens fünf Knoblauchzehen hauten) machten wir direkt zu viel, damit wir am nächsten Tag eine schnelle Pasta mit Gemüseresten (Champignons und Zucchini) zaubern konnten. 
(c) Frau von Saltkrokan
Samstags gab es etwas, das viele von euch in der Form sicherlich nicht kennen: Schnittlauch-Pfannkuchen mit Kopfsalat. In meiner Familie essen wir die Pfannkuchen mit dem Salat gefüllt und aufgerollt. Klingt im ersten Moment vielleicht etwas seltsam, ist aber sehr sehr lecker und besonders im Sommer ein tolles, schnelles Gericht, das mit wenigen Zutaten auskommt. Die zwei Eier in den Pfannkuchen ersetzte ich durch Sojamehl, das im Verhältnis 1:2 mit kaltem Wasser angerührt wird. Zum ersten Mal schaffte ich es auch, die richtige Konsistenz zu erreichen, die Masse muss nämlich schön cremig sein, zu wässrig schadet sie dem Teig mehr. Dem Pfannkuchenteig hat man weder vom Geschmack her noch vom Backverhalten her angemerkt, dass die Eier "fehlen" und da Sojamehl länger und unkomplizierter haltbar und im Vergleich zu Eiern viel billiger ist, werden wir beim Backen nun auch öfters Sojamehl benutzen - M. fand das Ganze nämlich auch super.
(c) Frau von Saltkrokan
Ausgerechnet sonntags, am großen Finaltag, habe ich kein Bild vom Essen gemacht, aber es gab auch nichts Besonderes: Schnelles Wokgemüse mit Reis und Erdnusssauce.
Abends eine große Schüssel Salat und zum Nachtisch Himbeersorbet, das wir fix aus Tiefkühlhimbeeren, etwas Zucker (und in meinem Fall noch Agavendicksaft) herstellten.

Über die ganze Woche verteilt gab es außerdem veganes Mett aufs Brot, um die Fleischgelüste meines Omnivoren zu befriedigen, der seltsamerweise bisher eben solche Gelüste noch nicht hat und den es vielmehr nach Sushi gelüstet (mit Fisch natürlich, weswegen er mein selbstgemachtes veganes Sushi bisher verschmäht).
Was sonst noch aufs Brot kam? Alsan, vegetarischer Aufstrich von Alnatura, Erdnussbutter, Marmelade und Pflaumenaufstrich.

Montag, 13. Mai 2013

[Immer schon mal] Vegan leben: Die erste Woche

Da es in der letzten Woche etwas drunter und drüber ging, konnte ich euch gar nicht so auf dem Laufenden halten wie ich es gerne getan hätte (und deswegen gibt es auch keinen normalen Wochenrückblick). Daher kommt meine erste (von zweien) vegane Woche hier kompakt und in aller Schnelle zusammengefasst:
Das Wichtigste für alle besorgten Verwandten und Freunde zuerst: Ich lebe noch und bin nicht an Mangelerscheinungen gestorben. Manchmal rumpelt es ganz schön im Magen, das mag durch die nun ausschließlich pflanzliche Kost so sein oder auch durch den Stress, weiß der Himmel. Vermissen tue ich bisher auch noch nichts, obwohl ich am Samstagmorgen neben M. saß und ihm sehnsüchtig beim Rührei-Verspeisen zusah. Da ich mich im letzten Sommer eh schon mit großen Schritten in Richtung vegane Ernährung bewegt hatte, sind mir auch noch keine großen neuen Erkenntnisse gekommen, allerdings war das Brotkaufen etwas ernüchternd. M. und ich standen bei Real und wollten abgepacktes Brot bzw. Toast kaufen, weil das auch einfacher zum Kalorienzählen ist. In den ersten drei Sorten war direkt schon mal Natriumstearoyl-2-lactylat, das - man kann es sich wegen des "lactylat" denken - nicht vegan ist. Sehr schön. Dann erfuhr ich auch noch im Nachhinein, dass einer meiner Lieblingstoasts nicht einmal zu hundert Prozent vegetarisch ist (wegen des Emulgators E471), wodurch es mir nachträglich fast hochkam.
Auf große Ablehnung oder Irritiertheit bin ich bisher nicht gestoßen, meine Lieblingsmenschen sind eh inzwischen einiges an Verrücktheiten von mir gewohnt und auf viele Fremde bin ich nicht gestoßen (Sieht man von der Geburtstagsparty eines Kumpels von M. ab und da hatte ich mein eigenes Essen sozusagen dabei und fiel wegen des Buffets nicht groß auf). Interessant war die Erkenntnis, dass sich viele Menschen immer noch nicht mit dem befassen, was sie essen und oftmals nicht wissen, welche Lebensmittel was enthalten (dass z.B. Mayonnaise Eier enthält und damit nicht vegan ist). Das finde ich insofern erschreckend als dass es für wirklich alle Menschen von Interesse ist - egal ob sie sich nun vegan, vegetarisch, omnivor oder koscher ernähren. Ein wenig Hilflosigkeit begegnete mir bei M.s Mutter, der Schwiegermama in spe, die sich Gedanken machte wie sie mich denn nun satt kriegen sollte und nachfragte, ob sie Sojamilch und Artverwandtes besorgen sollte, wo mir Umstände bereiten doch immer so unangenehm ist ... Allerdings war auch sie sehr neugierig und fragte nach statt mich für verrückt zu halten, was solche Experimente immer sehr viel leichter macht.

Nun aber zum interessanten Teil des Blogposts, den Bildern von meinem Essen. Ich habe nicht sämtliches festgehalten, sondern nur die jeweilige warme Hauptmahlzeit, da ich mich am Ende doch dagegen entschied, jeden Tag darüber zu bloggen - vielleicht mache ich das, falls Interesse besteht, in der zweiten Woche ausführlicher.

(c) Frau von Saltkrokan
Am ersten Tag ging es ganz und gar nicht vorbildlich zu, weil ich keine Lust hatte groß zu kochen, weswegen halbfertiges auf den Tisch kam: Marokkanische Gemüseburger von Alnatura, Basmatireis und indisches Curry (auch von Alnatura). Die Burger kann ich, wie die normalen Gemüseburger von Alnatura, empfehlen, vor allem für den schnellen faulen Hunger. Die Currysauce war ganz nett, aber etwas zu schwach auf der Brust und vor allem etwas zu teuer im Verhältnis gesehen.
(c) Frau von Saltkrokan
Dienstag ging es dann fast genauso weiter, etwas fertiger als wir es gewöhnt sind: Rahmspinat mit Kartoffelstampf und Gemüsestäbchen (bzw. für M. Fischstäbchen).

M. meinte, den Unterschied zur normalen Sahne im Spinat und zur normalen Milch im Stampf habe er nicht bemerkt - yiha! Dass die Gemüsestäbchen von Iglo vegan sein könnten hätte ich mir nie vorstellen können, bis J. mich darauf hinwies und ein Blick auf die Packung bewies: Tatsächlich, die sind vegan! Hallelujah!
So vorbildlich mein Start in die veganen Wochen war, so jäh endete er am Mittwoch, als wir beim Japaner essen waren. Leider ging ich davon aus, dass vegetarisch beim Japaner gleich auch vegan ist, dachte nicht daran, dass in den gebratenen Nudeln üblicherweise Ei ist und verdrängte ein wenig, dass der Sushiessig eventuell auch nicht vegan sein könnte. Meine Lektion an diesem Tag war dann auch, dass man bei solchen Aktionen vorher nachfragen sollte statt sich auf etwas zu verlassen - wieder etwas dazu gelernt ... Das schlechte Gewissen haben wir dann aber bei einem kalten Getränk bei Starbucks wieder beruhigt. Und was ich so beim Japaner gegessen habe? Unter anderem dies hier:

(c) Frau von Saltkrokan
Inside-out-rolls mit Avocado (obwohl ich Avocado sonst nichts abgewinnen kann, finde ich sie in den Sushis extrem lecker) und Inari, das sind frittierte, etwas süßlich schmeckende Tofutaschen, die mit Reis gefüllt werden.

Donnerstags wollten wir abends zu M.s Mutter fahren, da wir freitags auf einem Geburtstag in seiner Heimatstadt eingeladen waren. Daher gab es nur ein schnelles Pastagericht, mit viel Gemüse (und Parmesan für M.):
(c) Frau von Saltkrokan
Vereinfacht gesagt ist es eine Art Ratatouille auf Spaghetti. Einfach Zwiebeln, Knoblauch, Aubergine, Paprika und Frühlingszwiebeln anbraten und Tomatenmark dazu, glatt rühren und kräftig würzen. Sehr lecker und sehr glücklich machend. Den Parmesan habe ich nur ein wenig vermisst, durch die Gewürze wurde der wieder wettgemacht. Ganz besonders, da ich gerne dazu neige, die Pastasauce mit dem Parmesan so zuzukleistern bis ich nichts mehr von der Sauce schmecke, was ja eigentlich schade ist ...
Nachmittags gab es dann selbstgemachtes Rhabarberkompott von M.s Mama, mit Sojaghurt, den ich mit Vanilleextrakt verfeinert hatte.
Für die Geburtstagsparty eines Kumpels von M. hatte ich dann Couscoussalat gemacht und Rhabarbermuffins mit Streuseln gebacken. In der Eile habe ich allerdings weder von dem einen noch von dem anderen Bilder gemacht, kann aber stolz vermelden, dass der Salat in aller Munde war (im doppelten Wortsinn) und die Muffins auch sehr gut ankamen. Mir stellt sich nur die Frage, ob das auch der Fall gewesen wäre, wenn die Gäste vorher gewusst hätten, dass die Sachen vegan sind, da mit diesem Wort ja leider viel zu oft negatives verbunden wird. Dass viele Salate beispielsweise eh vegan sind, darauf kommt ja eh nie einer ...
Vor der Party hatte M. mir noch eine Portion Tortellini (von Rossmann) zubereitet (all'arrabbiata) - ich wusste ja nicht, wie groß die Auswahl auf dem Geburtstag sein würde und die ganze Zeit meinen eigenen Salat essen wollte ich auch nicht.

(c) Frau von Saltkrokan
Am Samstag gab es - herrje, schon wieder - Vollkorn-Fussili mit "Bolognese"-Sauce. Für die zweite Woche nehme ich mir daher fest vor, weniger Nudeln zu machen ... Das wird ja sonst eintönig und etwas zu leicht macht man es sich damit auch ...

Sonntag war Schlemmertag: Morgens ein zünftiges Kaiser-Frühstück mit Pancakes nach dem Rezept von Björn Moschinski, das ich schon einmal gepostet hatte.
(c) Frau von Saltkrokan
Mittags sollte es eigentlich ein Linsengericht à la Attila Hildmann geben, aber ich hatte vergessen, die Linsen einzuweichen, so dass wir schnell improvisieren mussten. Also gab es Frikadellen für M. (das letzte Fleisch für die nächsten drei Wochen im Übrigen, mehr dazu demnächst auf seinem Blog), für mich Veggie-Würstchen und Ofenkartoffeln. Außerdem habe ich mich das erste Mal an veganer Mayonnaise versucht und es klappte wunderbar und war sehr sehr lecker, das Rezept folgt demnächst!
Zum Nachtisch gab es abends Rhabarber-Apfel-Crumble, da wir noch zwei Stangen Rhabarber von den Muffins übrig hatten - und ab dieser Woche gibt es ja nicht mehr allzu viele Schlemmereien, weil wir nun Kalorien zählen.

Ich bin schon gespannt, wie die zweite Woche so werden wird und ich muss ehrlich gestehen, dass ich mich wieder auf ein Stück Käse freue. Gleichzeitig habe ich festgestellt, dass Pasta auch ohne einen Berg von Parmesan schmeckt ...

Dienstag, 30. April 2013

Neustart beim Projekt Schweinehund

(c) Frau von Saltkrokan
In den letzten anderthalb Monaten habe ich das Projekt Schweinehund arg schleifen lassen, wegen allgemeiner Faulheit, Masterarbeitsstress und dann dem Urlaub in Berlin. Ab dieser Woche möchte ich aber wieder durchstarten und das eine Spur härter als bisher: Zuvor habe ich nämlich vor allem durch Sport versucht abzunehmen und habe mich beim Essen immer ein bisschen zu sehr herausgeredet. Das soll nun ein Ende haben. Deswegen ist das Kuchengelage in seiner ursprünglichen Form auch erst einmal gestrichen (leider ...). Mein erstes Etappenziel, bis Juni fünf Kilo zu verlieren, werde ich wohl nicht mehr erreichen, aber die Hauptsache ist, dass ich weitermache. Ich habe mir fest vorgenommen, wieder dreimal die Woche zu sporteln und auch wieder mehr schwimmen zu gehen; immerhin habe ich noch eine Zehnerkarte, die genutzt werden will bevor wir nach Berlin ziehen! 
Ihr werdet in Zukunft also wieder etwas mehr von diesem Projekt lesen und die dazugehörige Seite werde ich auch wieder auf dem aktuellen Stand halten.
Schonfrist habe ich erst mal noch zwei Wochen, damit ich mich in die härtere Gangart einfinden kann und zwei in dieser Zeit zwei Geburtstagsfeiern anstehen - gefährlich fürs Hüftgold ...

Meine liebste Wienerin hat mich passend dazu vor ein paar Tagen mit einem Blogeintrag nachdenklich gestimmt. Ich bin ins Grübeln gekommen und habe mich gefragt: Ist das eigentliche Projekt, dem ich mich widmen sollte, nicht vielmehr die Akzeptanz meiner selbst, so wie ich bin? Und wenn ich abnehmen möchte, wieso, weil ich mich unwohl fühle oder weil ich unbewusst einem Ideal hinterher renne? Die erste Frage kann ich ganz vehement mit einem "ja" beantworten, denn das ist das Wichtigste, aber gleichzeitig auch das Schwerste. Sich selbst anzunehmen ist - so kommt es mir jedenfalls oft vor - vor allem für Frauen schwierig, weil wir so oft mit Idealbildern konfrontiert werden (Darüber hatte ich bereits vor zwei Tagen geschrieben).
Bei der zweiten Frage bin ich mir unsicher. Jede/r hat mal Tage, an denen er/sie sich unwohl fühlt, aber allzu oft ertappe ich mich bei dem Gedanken, dass ich schlankere Frauen beneide. Aber was bringt das schon? Nichts außer schlechten Gefühlen! Schlanker und fitter möchte ich aber auch für mich werden, weil das Einkaufen dann wieder mehr Spaß macht und das Zur-Bahn-Rennen leichter wird, weil ich dann keine Spiegel mehr meide und beim Anblick meiner selbst auf einem Foto nicht das Grausen bekomme.

Samstag, 27. April 2013

[Gedanken] Sind wir nicht alle schön?


In letzter Zeit plagen mich immer wieder Gedanken, die um ein großes Themenfeld kreisen, das mich insgeheim eigentlich furchtbar nervt, da es nicht für das steht, was mir wichtig ist, nämlich Äußerlichkeiten. Aber es ist wie verhext, ständig zerbreche ich mir den Kopf um Fragen und Gedanken wie "Bin ich zu dick?", "Wieso kann ich nicht größer sein?", "Ich fühle mich unwohl so wie ich bin." oder ein allzu plattes trotzig dahingeworfenes "Ich bin häßlich!". Der letzte Blogeintrag von H. hat mich nachdenklich gestimmt, ebenso wie das Video der Kosmetikfirma Dove (siehe oben), das mir M. heute gezeigt hat. Und auch wenn mir nach diesem Blogeintrag vielleicht Feministinnen die Tür einrennen und sich dagegen wehren: Es sind eben vor allem wir Frauen mit dem verkorksten Selbstbild. Ja, Frauen, ganz verallgemeinert. Und ja, nicht auch die Männer, denn die ziehen erst in den letzten Jahren allmählich nach was das verzerrte und unrealistische Idealbild in der Werbung angeht.
Woher kommt es, dass wir selbst uns so extrem selbstkritisch und - noch krasser - negativ sehen? So negativ, dass wir uns als häßlich beschreiben, obwohl wir es gar nicht sind? Sind wir nicht alle auf irgendeine Weise schön? Und selbst wenn uns jemand nicht schön findet, entsprechen wir dann nur einfach nicht diesem subjektiven Geschmack? Wenn jemand mit unseren Charaktereigenschaften nicht so klar kommt, macht uns das oft nicht so viel aus als wenn er/sie sagt, wir haben zu breite Hüften, schmale Lippen oder zu buschiges Haar. Die meisten von uns wissen sehr wohl, dass wir nicht annähernd so schlecht aussehen wie wir uns selbst sehen, dass andere uns nicht so sehen, dass wir schön sind. Dass wir attraktive Frauen sind, jede auf ihre eigene Art. Die eine mit langen Locken, die andere mit tollen Augen, die dritte mit langen Beinen, wieder eine andere mit Grübchen in den Wangen. Und das alles hat auch nichts mit sexistischen Reduzierungen zu tun, wir sind nun mal alle noch halbe Neandertaler, die auf solche Äußerlichkeiten "hereinfallen" und wenn wir uns verlieben, dann sehr wohl auch in diese Äußerlichkeiten, denn so ehrenvoll dieses "Auf die inneren Werte kommt es an" auch ist, die Art Mensch erhält diese Weisheit nicht!
Doch zurück zum Thema: Wieso fällt es uns so schwer, uns objektiver zu sehen? Wir sehen uns wie durch einen Zerrspiegel und hören viel zu selten auf ernst gemeinte Komplimente, weil wir an der Vorstellung von uns selbst festhalten: Wie kann mein Mann mich wunderschön finden, bei den Schenkeln und dem Bauch? Und den Dellen in den Schenkeln? - Doch betrachten wir das Szenario doch mal von der anderen Seite: Stört uns der kleine Bauchansatz denn wirklich bei unserem Partner? Nein, wir sehen darüber hinweg, weil wir ihn lieben (Anm.: Man möge mir die heterosexuelle Sicht der Dinge verzeihen, diese kenne ich nur aus eigener Erfahrung am besten ...). 
Die Liebe macht den anderen Menschen schön. Das funktioniert auch bei Mutter und Kind, bei Freundinnen und Freunden. Wen wir mögen oder gar lieben, der ist auch schön für uns. Diese Liebe sollten wir uns selbst auch manchmal gönnen, wenigstens ab und an, gerade, weil es so schwer fällt. Wir sollten uns gegenüber achtsamer sein, uns nicht noch zusätzlich fertig machen, wenn wir einen blöden Tag haben, sondern uns auch mal loben. Das, was wir an uns mögen, besonders lieben und bevorzugt betrachten, wenn wir es nicht schaffen, über die nicht so liebenswerten Stellen hinwegzusehen. 
Die Erkenntnis, das ich mich darin üben muss, hilft mir in den Momenten, in denen ich in das alte Verhalten zurückfallen will. Natürlich verhalte ich mich noch nicht so wie es besser für mich wäre, aber ich möchte es gerne und deswegen versuche ich, ab sofort öfters an meine Augen, meine Lippen, meine Hände und meine Haare zu denken statt an meinen Bauch und meine Beine. Denn insgesamt ist es doch meistens so, dass mehr positives als negatives übrig bleibt, wenn wir ehrlich zu uns sind ...